Friday, August 29, 2008

ein Märchen von Gianni Rodari

Diese Geschichte hat noch nicht stattgefunden,sie wird aber unbedingt passieren.Sie sieht folgendermassen aus:Eines Tages,dessen Name "Morgen" ist,hat eine Lehrerin ihre Schüler und Schülerinnen in das Museum der Vergangenheit geführt,-dort befand sich eine Sammlung von "Gegenständen,die nicht mehr gebraucht werden".Solche sind z.B. die Strassenbahn,Kronen von Königen usw.In einem staubbedeckten Schaufenster,unter einer Glasscheibe entdeckten die Kinder das Wort "Weinen".Sie haben die Aufschrift gelesen,aber trotzdem nichts verstanden.Dann hat einer von ihnen gefragt:
"-Sehr geehrte Signora,was ist das?"
"-Vielleicht ein alter,wertvoller Schmuck?"
"-Oder eher etwas aus der Kulturerbe der Etrusker?".
Die Lehrerin hat den Kindern erklärt,dass vor sehr langer Zeit dieses Wort sehr oft benutzt wurde und den Menschen viel Leid zugefügt hatte.Ausserdem hat sie den Schülern einen kleinen Glasgefäss gezeigt,in dem Tränen aufbewahrt wurden.Wahrscheinlich sind diese Tränen von einem Sklaven vergossen worden,weil er immer wieder von seinem Eigentümer geschlagen worden ist oder von einem armen Jungen,der obdachlos geblieben ist.
"-Tränen sehen wie Wassertropfen aus!"-sagte ein Junge.
"-Ja,aber sie verbrennen die Haut ein bisschen!"-erwiderte darauf die Lehrerin.
"-Möglicherweise werden sie vor dem Gebrauch gut gekocht!"-hat einer seine Vermutung ausgesprochen.
Nein,diese Kinder verstanden leider gar nichts.
Am Ende haben sich sie alle sehr gelangweilt gefühlt.Deshalb hat die Lehrerin entschieden,die Kinder in ein weiteres Sal zu führen,in dem nur für sie bekannte Gegenstände ausgestellt waren:
ein Gefängnisgitter,ein Schloss mit seinem Schlüssel,ein Balg eines Wacht-Hundes und viele andere.Sie haben ihren Platz nur dort,weil sie im lande der glücklichen Menschen,die den morgigen Tag leben,nicht mehr gebraucht werden.

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